
Lange sah es so aus, als würde der saisonale Nachtzug von Österreich nach Kroatien nicht mehr verkehren. Nun bieten ihn die ÖBB doch wieder an: Von Wien und Graz geht es über Zagreb nach Split an der dalmatischen Küste – wo glasklares, tiefblaues Wasser und herrliches mediterranes Essen warten. In diesem Reisebericht beschreiben wir dir unsere Erfahrungen und Eindrücke von diesem tollen Angebot. Am Schluss gibt's ganz viele praktische Tipps und Hinweise.
Das besondere an diesem Euronight ist übrigens, dass er zwei Wagen für Autos und Motorräder mitführt. Praktisch, wenn ihr Kroatien und den Balkan noch auf eigene Faust erkunden wollt.
Direkt zu den praktischen Infos.
Wir haben die Reise letzten Herbst in umgekehrter Richtung gemacht: damals bis nach Bratislava. Dieser Endhalt entfällt leider, da sich die slovakische Bahn ZSSK aus der Zusammenarbeit mit ÖBB zurückgezogen hat. Doch von Bratislava ist Wien ja nur ein Katzensprung entfernt.
Im September letzten Jahres verbrachten wir einige Tage auf der (touristisch etwas überlaufenen aber schönen) Insel Hvar. Zuvor waren wir mit Nachtzug und Fähre(n) aus der Schweiz via Italien und Montenegro nach Kroatien gereist – ein logischer Halt auf unserer Reise in die Slowakei, von wo aus wir via Wien in die Niederlanden zurück fuhren. Hvar ist von der Hafenstadt Split in 1-2 Stunden mit der Fähre erreichbar, wie auch zahlreiche andere kleinere, vorgelagerte Inseln.


Wir erreichen Split mit einiger Überbrückungszeit und machen es uns im Bahnhofsbistro gemütlich. Valérie geht noch auf die Suche nach einem neuen Buch für die lange Reise. Ich erkunde mit meinem Sohn im Tragetuch derweil das etwas in die Jahre gekommene Bahnhofsgebäude und beobachte die kroatische Lok beim Rangieren.


Gegen 16.30 fährt der Zug, damals noch unter der Bezeichnung Euronight 1152, in den Bahnhof ein. Die ersten Passagiere versammeln sich auf den Perrons und steigen langsam ein.

Ich hieve unsere zahlreichen Rucksäcke und anderen Gepäckstücke in der noch immer heissen Abendsonne in unser privates Schlafwagenabteil (wir haben dafür rund 250 Euro bezahlt) und mache wie üblich erst Mal ein paar Fotos.
Die Wagen sind scheinbar aus alten slowakischen Beständen – mir gefällt das zeitlose Design in grünen, warmen Tönen ziemlich gut.



Valérie hat glücklicherweise ein Buch gefunden und pünktlich um 17:22 Uhr fahren wir zu Dritt und mit unserem Unterwegs-Hausrat pünktlich ab. Jetzt kommt gleich der eindrücklichste Teil: Die Fahrt entlang der dalmatischen Bergkette hinauf ins kroatische Hinterland. Mit jedem Kilometer wird die Sicht auf Berge und Meer mitsamt Split eindrücklicher.

Ich stelle mir vor, dass es umso schöner sein muss, nach einer langen Nachtzugfahrt mit diesem Ausblick aufzuwachen.

Während die Sonne die kroatische Hügellandschaft langsam in Orange hüllt, machen wir es uns gemütlich und geniessen den vorzüglichen offerierten Sekt (okay, es gibt sicher besseren..). Aus reinem Interesse studieren wir die Snackkarte – wir haben uns vor der Abfahrt reichlich mit Essen eingedeckt.



Wir verbringen eine erholsame Nacht und werden nur selten wach. Der Zug fährt einmal quer durch Kroatien über Zagreb, durchfährt dann Slowenien mit einem Halt in Maribor.
Dann hält er schon bald in Graz, bevor er seine Reise nach Niederösterreich und Wien fortsetzt. In Wien werden die Fahrzeuge ausgeladen und der Autoreisezug abgehängt. Nach einer weiteren Stunde gemächlicher Fahrt erreichen wir Bratislava-Petržalka, wo leider bereits Endstation ist. Was für eine Reise! Vier Länder in einer Fahrt durchqueren, das kann fast nur der Nachtzug.


Wie auch in den Schlafwagenabteilen der ÖBB konnten wir am Vorabend unser Frühstück zusammenstellen. Wir finden die Auswahl super – besonders der Milchreis ist eine willkommene Abwechslung.

Fazit: Selten haben wir einen Abend im Nachtzug so genossen. Die Aussicht ist unvergleichbar, das gemütliche Abteil und die ruhige Stimmung taten das ihre. Service und Sauberkeit waren top, und den Preis von 250 EUR für zwei Personen im Privatabteil mit Frühstück fanden wir eigentlich ganz fair – vor allem bei dieser langen Reisestrecke.
Der EN 1272 von Wien über Graz nach Split fährt im Zeitraum vom 29. Mai bis zum 27. September 2026, jeweils Mittwochs, Freitags und Sonntags.
Der EN 1273 in der Gegenrichtung fährt im Zeitraum vom 30. Mai bis zum 26. September 2026, jeweils Montags, Donnerstags und Samstags.
Es gibt Sitzwagen, Liegewagen- und Schlafwagenabteile.
Die Schlafwagenabteile verfügen teils über WC und Dusche in der Kabine, teilweise ausschliesslich über ein Waschbecken (der Wagen verfügt zusätzlich über ein öffentliches WC und eine Dusche). Sie sind jeweils geteilt mit anderen Passagieren oder als Privatabteile buchbar.
Die etwas rudimentäreren Liegewagenabteile gibt es in der Vierer- und Sechserkonfiguration. Auch sie sind als Privatabteile buchbar. WCs befinden sich im Gang.
Auch Sitzabteile sind bei diesem Zug privat buchbar. Dann habt ihr ein 4er- oder 6er-Sitzabteil für euch selbst.
Wie in anderen Euronight- und Nightjet-Angeboten der ÖBB führt der Zug leider keinen Speise- oder Bistrowagen mit. Man kann beim Zugpersonal jedoch Snacks und einfache Speisen kaufen. Der Service wird durch das Partnerunternehmen Newrest besorgt. Liegewagen- und Schlafwagen-Passagiere erwartet am Morgen ein einfaches Frühstück. Vegetarische, vegane und glutenfreie Angebote sind erhältlich.
Grundsätzlich nicht. «Grundsätzlich», denn Klappfahrräder und in Fahrradtaschen kompakt verpackte Fahrräder dürften durchaus transportierbar sein...
Die Situation bezüglich diesem Euronight ist jedoch etwas unklar. In Nightjets ist die Mitnahme in der Regel erlaubt, in gewissen Euronights jedoch nicht. Klärt vorher beim Kundendienst ab, ob es möglich ist oder nicht. Und gebt uns dann Bescheid. Sonst gelten wohl die üblichen Regeln.
Aktuell ausschliesslich bei den ÖBB. Via nightride.com kannst du Preise vergleichen und direkt zur Buchung gelangen:
Wie bei anderen Angeboten wenden die ÖBB hier ein dynamisches Preissystem an, deswegen ist eine blosse Angabe von Preisspannen etwas schwierig. Dank unserer umfangreichen Datenbank an Preisen können wir euch jedoch ungefähr sagen, was ein eher günstiges und was ein eher teures Angebot ist.
Folgende Preisspannen haben wir Mitte April, rund einen Monat vor Start des ersten Zugs, beobachtet. Das kann sich im Laufe der Saison natürlich noch ändern – und wie immer bei Nachtzügen gilt: Wer zuerst kauft, fährt am besten.
EN 1272 · Split → Wien
| Abteil | Preis (min – max, Ø) |
|---|---|
| Sitzplatz 2. Klasse | 25 – 70 € (Ø 49 €) |
| Sitzplatz 2. Klasse in 4/6er-Abteil | 25 – 75 € (Ø 51 €) |
| Sitzplatz in privatem Abteil | 125 – 350 € (Ø 242 €) |
| Geteiltes 6er-Abteil Liegewagen | 35 – 140 € (Ø 89 €) |
| Geteiltes 4er-Abteil Liegewagen | 45 – 160 € (Ø 108 €) |
| Privates 6er-Abteil Liegewagen | 225 – 510 € (Ø 376 €) |
| Geteiltes 3er-Abteil Schlafwagen (Waschbecken) | 60 – 185 € (Ø 131 €) |
| Geteiltes 3er-Abteil Schlafwagen (Dusche/WC) | 65 – 235 € (Ø 151 €) |
| Geteiltes 2er-Abteil Schlafwagen (Waschbecken) | 65 – 205 € (Ø 148 €) |
| Geteiltes 2er-Abteil Schlafwagen (Dusche/WC) | 70 – 265 € (Ø 173 €) |
| Privates 1er-Abteil Schlafwagen (Waschbecken) | 90 – 295 € (Ø 211 €) |
| Privates 1er-Abteil Schlafwagen (Dusche/WC) | 140 – 480 € (Ø 259 €) |
EN 1273 · Wien → Split
| Abteil | Preis (min – max, Ø) |
|---|---|
| Sitzplatz 2. Klasse | 40 – 75 € (Ø 56 €) |
| Sitzplatz 2. Klasse in 4/6er-Abteil | 25 – 150 € (Ø 61 €) |
| Sitzplatz in privatem Abteil | 180 – 360 € (Ø 269 €) |
| Geteiltes 6er-Abteil Liegewagen | 35 – 240 € (Ø 111 €) |
| Geteiltes 4er-Abteil Liegewagen | 45 – 280 € (Ø 133 €) |
| Privates 6er-Abteil Liegewagen | 340 – 510 € (Ø 432 €) |
| Geteiltes 3er-Abteil Schlafwagen (Waschbecken) | 90 – 370 € (Ø 170 €) |
| Geteiltes 3er-Abteil Schlafwagen (Dusche/WC) | 115 – 430 € (Ø 189 €) |
| Geteiltes 2er-Abteil Schlafwagen (Waschbecken) | 95 – 240 € (Ø 182 €) |
| Geteiltes 2er-Abteil Schlafwagen (Dusche/WC) | 125 – 265 € (Ø 201 €) |
| Privates 1er-Abteil Schlafwagen (Waschbecken) | 135 – 590 € (Ø 275 €) |
| Privates 1er-Abteil Schlafwagen (Dusche/WC) | 180 – 815 € (Ø 322 €) |
Grundsätzlich ist die Rückreise aus Kroatien einiges günstiger. Doch auch bei der Hinreise gibt es noch einige Schnäppchen: Ein privates 1er-Abteil im Schlafwagen für 135 € muss man erst mal finden!
Auch dies ist über den Ticketshop der ÖBB möglich. Falls ihr ein Fahrzeug mitnehmen wollt, macht ihr die ganze Buchung (auch für eure eigenen Fahrscheine) über diesen Weg. Natürlich lohnt es sich auch hier, vorerst die Preise via nightride.com zu vergleichen.