
Abends in London in den Zug steigen. Vielleicht noch ein Abendessen oder einen Drink im Barwagen. Im gemütlichen Bett einschlummern. Und dann am nächsten Morgen in den schottischen Highlands oder an der bezaubernden Küste von Cornwall aufwachen.
Was wie ein Traum klingt, wird mit dem Nachtzug wahr.
Großbritannien ist nicht nur das Mutterland der Eisenbahn, sondern auch eine klassische Hochburg des Nachtzugreisens. In der Blütezeit waren England, Wales und Schottland von einem dichten Netz aus Nachtzügen durchzogen. Heute haben sich noch zwei voneinander unabhängige Nachtzug-Angebote erhalten: der Caledonian Sleeper nach Schottland und der Night Riviera Sleeper an Englands Südwestküste.

Beide zählen zu den besten Nachtzügen überhaupt: Äußerst komfortable Wagen, beeindruckende Strecken – und dazu eine Gastfreundlichkeit, die ihresgleichen sucht. Very British eben.
In diesem Guide nehmen wir Großbritanniens Nachtzüge unter die Lupe. Welche Routen gibt es? Wie ist der Komfort an Bord? Und natürlich verraten wir euch auch, wie ihr an die günstigsten Tickets kommt. Denn das ist der einzige kleine Haken an der Sache: Ganz billig ist das Vergnügen nicht. Aber es lohnt sich, versprochen.
Verwunschene Schlösser, einsame Moore, mystische Inseln – Schottland ist ein Traumziel für jede Zugreise. Und mit dem Caledonian Sleeper wird die Anreise zum echten Genuss. Von London aus sind die komfortablen Schlafwagen auf insgesamt fünf Linien unterwegs – in aufregende Städte wie Edinburgh und Glasgow, an die sanftgrüne Steilküste von Aberdeen oder mitten in die wilde Natur der Highlands.

Nachdem der Caledonian Sleeper lange von verschiedenen Privatunternehmen geführt wurde, hat im Sommer 2023 der schottische Staat den Betrieb übernommen. Mit modernen Wagen, wunderschönen Strecken und erstklassigem Service gehört eine Fahrt mit dem Caledonian Sleeper zu den großen Nachtzugabenteuern Europas.
Das Angebot des Caledonian Sleeper besteht aus zwei unabhängigen Nachtzügen, die wiederum aus mehreren Zugteilen zusammengesetzt sind: Der Lowland Sleeper mit Zugteilen nach Glasgow und Edinburgh und der Highland Sleeper mit Zugteilen nach Aberdeen, Inverness und Fort William. Die Zugteile werden nachts getrennt und fahren am Morgen eigenständig zu ihren jeweiligen Endstationen weiter.
Beide Züge starten am Bahnhof London Euston. Dieser ist nur wenige Gehminuten vom Bahnhof St Pancras entfernt, wo die Eurostar-Züge aus Brüssel, Paris und Amsterdam ankommen.
Die Züge des Caledonian Sleeper verkehren täglich außer samstags. Je nach Route beträgt die Fahrzeit zwischen 8 und 13 Stunden.
Der Lowland Sleeper bedient die relativ kurzen Strecken von London nach Edinburgh und Glasgow. Beide Städte liegen im südlichen Teil Schottlands und sind im Tagesverkehr in knapp vier Stunden sehr gut an London angebunden. Dennoch erfreut sich auch der Nachtzug großer Beliebtheit, vor allem bei Geschäftsleuten und Wochenendpendlern.
Die Strecke des Lowland Sleeper führt über Watford Junction und Carlisle, ehe der Zug am schottischen Bahnhof Carstairs in die beiden Zugteile nach Edinburgh und Glasgow geteilt wird.
Aus touristischer Sicht deutlich interessanter ist der Highland Sleeper mit seinen drei Zugteilen nach Aberdeen, Inverness und Fort William. Die Fahrt ist deutlich länger, so dass ihr in Ruhe ausschlafen und entspannt in den Tag starten könnt. Außerdem: Die Bahnstrecken, die am Morgen befahren werden, gehören zu den schönsten in Schottland.

Übrigens: Seit Anfang 2026 verkehrt der Highland Sleeper neu über Birmingham, und verbindet damit auch die englische Region West Midlands über Nacht mit Schottland.
Neben den fantastischen Zielen überzeugt der Caledonian Sleeper vor allem durch Ausstattung und Service. Das Wagenmaterial wurde 2019 komplett erneuert und bietet höchsten Komfort auf kleinem Raum. Das Motto „Hotel auf Schienen“ ist hier keine Übertreibung.

In allen Zugteilen gibt es Schlafwagen, Sitzwagen und mit dem „Club Car“ auch einen vollwertigen Speisewagen. Liegewagen sind in Großbritannien nicht gebräuchlich – das hat damit zu tun, dass Waggons grundsätzlich etwas kleiner sind als auf dem europäischen Festland.

In den Schlafwagen gibt es drei verschiedene Abteilarten, die als Classic, Club und Double bezeichnet werden. Alle Abteile lassen sich allein oder zu zweit nutzen. Dabei wird immer das ganze Abteil gebucht, man teilt es sich also nicht mit Fremden.

Weniger bequem, dafür besonders preiswert reist ihr im Sitzwagen. Es handelt sich dabei um Großraumwagen. Die Rückenlehne der Sitze lässt sich um 10 Grad neigen und für jeden Reisenden gibt es ein Kit mit Nachtutensilien, darunter eine Schlafmaske. Für das Handgepäck gibt es ein verschließbares Fach über jedem Sitz.
Das Herz des Caledionian Sleeper ist das Club Car, ein vollwertiger Speisewagen mit Barbereich. Hier könnt ihr aus einer umfangreichen, feinen Karte wählen – inklusive schottischer Klassiker wie Haggis. Aber keine Sorge, es gibt auch weniger deftige und vegetarische Gerichte. Und natürlich kann man es auch bei einem Schlummertrunk belassen.
Ein Besuch im Club Car ist Schlafwagengästen vorbehalten. Reisende im Club- oder Double-Abteil erhalten bei hoher Auslastung den Vortritt. Wer im Sitzwagen reist, hat keinen Zugang, kann sich aber Speisen und Getränke an den Platz servieren lassen.
Tipp: Stürmt nicht gleich an den Tisch, sondern wartet kurz, bis ihr vom Service-Personal platziert werdet. Das Club Car ist bargeldlos, Zahlungen sind nur mit Kredit- und Debitkarten möglich.
Ja nach Wunsch wird das Frühstück morgens ins Abteil gebracht oder im Club Car serviert. Zur Auswahl stehen warmes schottisches Frühstück (auch vegan erhältlich) und kontinentales Frühstück, dazu gibt es Kaffee und Tee. Wer im Classic Room reist, zahlt für das Frühstück extra, bei der Fahrt im Club Room oder Caledonian Double ist es im Preis inbegriffen.

Eine Fahrt im Caledonian Sleeper ist kein günstiges Vergnügen. Der Basispreis ist recht hoch, dafür variieren die Preise nur wenig, sind also kaum vom Buchungszeitpunkt und Auslastung abhängig.
Vergleiche hier Preise für den Caledonian Sleeper!
Nachfolgend die üblichen Preise für ein Abteil bei Einzelbelegung. Bei Doppelbelegung steigt der Preis um 80–100 £.
Stand Januar 2026. 1 £ entspricht etwa 1,15 €.
Tipp: Die Kategorie Caledonian Double ist meist besonders schnell ausverkauft, oft Monate im Voraus. In den anderen Kategorien gibt es dagegen in der Regel auch noch kurzfristig Tickets.

Etwas günstiger ist die Fahrt im Caledonian Sleeper mit Interrail. Als Passinhaber benötigt ihr für den Schlafwagen eine kostenpflichtige Reservierung. Diese ist online erhältlich, dazu wählt ihr bei der Buchung die Option „Room Supplement only“ aus. Der Preis für die Reservierung beträgt unabhängig vom Reiseziel und -zeitraum:
Für einen Club Room ist ein Interrail-Pass der 1. Klasse nötig. Die Abteilart Caledonian Double ist für Reisende mit Interrail nicht zugänglich.
Die Fahrt im Sitzwagen ist mit Interrail ohne Aufpreis möglich. Trotzdem muss ein Sitzplatz reserviert werden, das ist kostenlos auf der Website des Caledonian Sleeper möglich.
Wenn ihr das Ticket bis 7 Tage vor Abfahrt storniert, erhaltet ihr den Fahrpreis zu 100 % erstattet. Bei späterer Stornierung (bis zum Mittag des Abfahrtstages) gibt es noch 50 % zurück.
Ein echter Geheimtipp ist der zweite Nachtzug im Vereinigten Königreich: der Night Riviera Sleeper von London nach Penzance. Er fährt vom Bahnhof Paddington aus die englische Südwestküste entlang und bedient viele spannende Ziele in den Regionen Devon und Cornwall.

Betrieben wird der Night Riviera von Great Western Railway (GWR) und steht seinem großen Bruder aus Schottland in Sachen Komfort in nichts nach. Die kürzlich renovierten Schlafwagen mit ihren äußerst bequemen Betten sind sogar noch einen Tick edler als beim Caledonian Sleeper. Und auch preislich hat der Nachtzug nach Cornwall die Nase vorn.
Der Night Riviera ist auf der etwa 500 Kilometer langen Bahnstrecke von London Paddington über Plymouth nach Cornwall unterwegs. Endstation ist Penzance, gelegen an der Südwestspitze Englands (hier findest du alle Verbindungen in der Gegenrichtung). Auf der Strecke bietet GWR auch einen regelmäßigen Tageszugverkehr mit modernen Triebzügen an. Wer die Strecke lieber entspannt im Schlafwagen zurücklegt, hat mit dem Nachtzug eine komfortable Alternative.

Zwischen Plymouth und Penzance durchquert der Night Riviera das wild-romantische Herz Cornwalls und hält unter anderem in Liskeard, Bodmin, St Austell und Truro. Über Stichstrecken lassen sich außerdem wunderschöne Küstenorte wie Looe, Newquay und St Ives erreichen.
Tipp: Von Penzance aus geht es weiter mit dem Bus nach Land’s End, dem westlichsten Punkt der Hauptinsel Großbritanniens, sowie mit der Fähre in das malerische Archipel der Scilly-Inseln.
Der Night Riviera verkehrt täglich außer samstags. Mit 7 bis 8 Stunden (je nach Richtung) ist die reine Fahrtzeit für einen Nachtzug relativ kurz. Aber: Der Einstieg in London Paddington ist bereits über eine Stunde vor Abfahrt möglich, und in der Gegenrichtung bleibt der Zug nach Ankunft noch fast zwei Stunden am Bahnsteig stehen. Auf diese Weise lässt sich die Zeit an Bord deutlich verlängern und ihr kommt auf eine gute Dosis Schlaf.
Die Night Riviera besteht aus Schlafwagen, Sitzwagen und einem Barwagen. Die Wagen wurden 2018 komplett renoviert und verbinden höchsten Komfort mit moderner Ausstattung.
Mit edlen Teppichböden und Betten auf Hotelstandard sind die Schlafwagen des Night Riviera ein echtes Juwel. Die Abteile haben jeweils zwei übereinander angeordnete Betten und lassen sich in Einzel- oder Doppelbelegung buchen. Am Fenster gibt es ein aufklappbares Waschbecken. Die Bettwäsche ist besonders hochwertig. Am Kopfende gibt es USB-Steckdosen und eine Leselampe. Die Abteiltür lässt sich mit einer elektrischen Schlüsselkarte von außen verschließen.

Auch der Service stimmt: Für jeden Reisenden gibt es ein Handtuch, Waschutensilien und eine Flasche Mineralwasser. Morgens wird ein kleines Frühstück ans Bett serviert, wahlweise Porridge oder eine Sausage Roll, dazu Tee oder Kaffee. Das Frühstück ist im Preis enthalten.

Tipp: Schlafwagengäste haben an den Bahnhöfen London-Paddington, Penzance und Truro Zugang zur GWR-Lounge. Hier gibt es nicht nur kostenlose Snacks und Getränke, sondern auch die Möglichkeit zu duschen.

Wer mit schmalem Reisebudget unterwegs ist, findet im Night Riviera auch Sitzwagen. Es handelt sich um einfache Großraumwagen. Für die Fahrt im Sitzen ist kein Zuschlag nötig.
Das Lounge Car ist kein vollwertiger Speisewagen, sondern eher ein gemütliches Wohnzimmer mit Bar. In den stilvollen Sitzgruppen und Lounge-Sofas könnt ihr den Abend bei einem Getränk ausklingen lassen. Kleinere Snacks sind ebenfalls erhältlich.
Tipp: Wasser, Tee und Kaffee sind für Schlafwagengäste kostenlos.

Der Fahrpreis setzt sich zusammen aus dem Ticket, das die Beförderung abdeckt, plus einem Aufpreis für den Schlafwagen. Der Night Riviera ist voll in das mitunter ziemlich komplexe britische Tarifsystem integriert. Praktisch gesehen handelt es sich um einen ganz normalen Zug, der als Zusatzservice die Übernachtung im Schlafwagen anbietet.

Am günstigsten reist ihr im Schlafwagen im Tarif Super Off-Peak, die Fahrt von London nach Penzance kostet damit 86,70 £ pro Person. Dazu kommt der Zuschlag, welcher sich nach dem Reisedatum, dem Zeitpunkt der Buchung und der Auslastung richtet. Bei Einzelbelegung sind das ab 49 £, bei Doppelbelegung ab 59 £ pro Abteil.
Damit ergibt sich ein Startpreis von 135,70 £ für Alleinreisende. Zu zweit im Abteil geht es bei 116,20 £ pro Person los.
Im Sitzwagen ist kein Zuschlag nötig, es genügt ein einfaches Ticket für die jeweilige Strecke. Das günstigste Angebot ist der zuggebundene Advanced-Tarif ab 69 £ für die Fahrt von London nach Penzance.
Die Tickets sind erhältlich online auf gwr.com, telefonisch oder am Bahnschalter vor Ort. Achtung: Online macht die Zahlung mit nicht-britischen Kreditkarten manchmal Probleme.
Der Night Riviera eignet sich gut für eine Reise mit Interrail. Für eine Nacht im Schlafwagen müsst ihr lediglich den Aufpreis bezahlen. Einziger Haken: Der Aufpreis allein lässt sich nicht online erwerben, sondern nur vor Ort. Gut geht das am GWR-Schalter am Bahnhof Paddington. Allerdings besteht das Risiko, dass der Schlafwagen am Reisetag bereits ausgebucht ist. Wenn möglich, solltet ihr das einige Tage vor der Abfahrt erledigen.
Tipp: Es gibt Berichte von Interrailern, die den Zuschlag auch telefonisch erwerben konnten. Dazu hilft es, nach einem Supplement für ein bestehendes Ticket zu fragen (z. B. Off-Peak) und Interrail nicht zu erwähnen.
Das Reisedatum kann bis einen Tag vor Abreise geändert werden. Sollte das Ticket am neuen Reisetag teurer sein als am ursprünglichen, muss der Differenzbetrag bezahlt werden.
Tickets lassen sich bis 14 Tage vor Abfahrt zu 100 % erstatten, zwischen 14 und 7 Tagen vor Abfahrt gibt es 75 % des Ticketpreises zurück. Danach ist keine Stornierung mehr möglich.
In Großbritanniens Nachtzügen wird noch echte Reisekultur gelebt. Komfort und Service auf allerhöchstem Niveau, dazu ein Hauch Eleganz. Und egal, ob euer Ziel Schottland oder Cornwall heißt – die Strecken, auf denen der Caledonian Sleeper und der Night Riviera unterwegs sind, zählen zu den schönsten überhaupt im britischen Bahnnetz.
Zugegeben: Ganz günstig ist die Fahrt nicht. Aber es ist ein einzigartiges Vergnügen, das man als Nachtzug-Fan einmal erlebt haben sollte. Zudem lässt sich der Preis mit Interrail, das in Großbritannien ohnehin ein guter Deal ist, auf ein erträgliches Maß drücken.

Zum Autor: Sebastian Wilken ist leidenschaftlicher (Nacht)Zug-Fahrer und schreibt in seiner Zugpost über Zugreisen in Europa. Er beobachtet für Night Ride den Nachtzug-Markt und versorgt euch mit den besten Tipps und Tricks für die schönsten Strecken – inklusive toller Bilder, die er allesamt selber schiesst.
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